Pressemitteilung zur energiepolitischen Informationsveranstaltung in Aufhausen

Umwelt

Aufhausen, Mittwoch 4.5.2011.
Hundert Prozent Erneuerbare Energien im deutschen Stromnetz! Geht das eigentlich? Eine hundertprozentige Antwort, nämlich „Ja“, gab auf diese Frage Frau Hiltrud Meier-Staude von „projekt21plus“ aus München bei der energiepolitischen Informationsveranstaltung des SPDKreisverbandes Regensburg-Land und des SPD-Ortsvereins Aufhausen im Gasthaus Helm in Haid.

Die Energieexpertin aus München beschrieb in ihrem knapp 90-minütigen spannenden, mit einer Power-Point-Präsentation unterstützten, Referat die Hintergründe und die Handlungsmöglichkeiten eines kompletten Umstieges von der Atom- und Kohle-Stromgewinnung hin zu den Erneuerbaren Energien mit den drei „E’s“ und den drei „W’s“: Energie neu denken durch Erneuerbare Energien, Effizienz und Energiesp aren sowie den Wechsel wollen und wagen. Die Referentin legte im vollbesetzten Tagungsraum den Gästen ausführlich klar, warum Deutschland nicht längst eine Vollversorgung mit nachhaltigen Energien habe. Sie zeigte die Hintergründe des Strommarktes unter der Knute der vier großen Energie- und Atom-Konzerne und den damit verbundenen überhöhten Verbraucherpreisen für Strom und Gas auf. Der Aufhausener SPD-Ortsvorsitzende und Organisationsleiter des SPD-Kreisverbandes, Hubert Wittmann, betonte in seiner kurzen Begrüßungsrede, dass die LandkreisSPD schon zu Beginn des Jahres, nicht erst nach der Fukushima-Katastrophe, diese Veranstaltung geplant habe, da sie schon seit fast dreißig Jahren den Ausstieg aus der Atomenergie und den Umstieg zu den Erneuerbaren Energien fordere. Wittmann freute sich über die Teilnahme des stellvertretenden Landrats Josef Weitzer, des SPD-Kreisvorsitzenden Rainer Hummel und des Sprechers des SPD-Arbeitskreises Großes und Kleines Labertal, Rainer Pasta aus Geiselhöring. Die Geschäftsführerin von projekt21plus, Hiltrud Meier-Staude, stellte zu Beginn ihres Vortrages, assistiert von ihrem Kollegen Siegfried Grob, ihr Beratungsinstitut vor, das zu ihrem Kundenkreis neben Einzelpersonen auch Unternehmen und Kommunen gehörten. Nicht zuletzt ihrer Kampagne sei es zu verdanken, dass die Landeshauptstadt München zu 100 Prozent in Erneuerbare Energien investiere und nicht mehr auf die Steinkohle als Atomersatz setze. Ausführlich befasste sich Frau Meier-Staude mit den vier Hauptträgern“ der angestrebten Energiewende. Die entscheidenden Faktoren seien einmal die Nutzung aller erneuerbaren Energiepotentiale von der Wasserkraft und der Geothermie über die Biomasse hin zur Windenergie und vor allem zur Sonnenenergie sowie die Nutzung aller Energieeinsparungsmöglichkeiten beim Transport, im Haushalt und in der Wirtschaft. Dazu bedürfe es als dritten Faktor eines intelligenten, Computer-gestützten Stromzähler- und –kundenmanagements. Schließlich stehe als vierter Faktor auch der Aufbau und Ausbau von Speicher-Technologie, Pumpspeicherkraftwerken und eines europaweiten modernen Stromleitungsnetzes auf der Agenda einer Energiewende. Bei konsequenter Nutzung des von der rotgrünen Bundesregierung geschaffenen Energieeinspeisungsgesetzes sehe selbst die Prognose der schwarzgelben Koalition die Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energeien an der deutschen Stromerzeugung von 20 Prozent im Jahr 2010 auf 38 Prozent im Jahr 2020 vor; die Prognose der alternativen Stromerzeuger gehe von 47 Prozent für den gleichen Zeitraum vor und das Bundesumweltamt rechne sogar mit einem 100-prozentigen Anteil der Erneuerbaren bis zum Jahr 2030, wenn die Rahmenbedingungen geschaffen würden. Als Haupthindernisse auf dem Weg in die Energiezukunft nannte die Referentin die Preispolitik der großen Stromkonzerne zu Lasten der alternativen Energien und vor allem der deutschen Verbraucher. Mit den überhöhten Strompreisen bezahle der deutsche Verbraucher die Investitionen der Konzerne im Ausland, insbesondere in Osteuropa. Beispiellos sei ihre massive Lobbyarbeit gegenüber der Politik – und gegenüber den Medien, fügte Martin Auer hinzu. EON habe schon 2009 noch vor der Bundestagswahl für 2030 einen Atomstromanteil von 11 Prozent einkalkuliert, obwohl nach dem rotgrünen Atomausstiegs-gesetz dieser bei Null hätte sein müssen. Die Konzerne hätten schon vor der Wahl auf den schwarzgelben Ausstieg vom Ausstieg gesetzt. Besonders die Verbraucher würden mit Lockvogelangeboten und Täuschungsmanövern an der Nase herumgeführt und ihnen das Geld mit Scheinangeboten aus der Tasche gezogen: „Wo bei EON Grün draufsteht, ist zu achtzig Prozent Atom und Kohle drin.“ Wie den „Goliaths“ der Stromerzeuger und ihren Monopolen beizukommen sei, beantwortete Hiltrud Meier-Staude mit einer intelligenten und mutigen „David-Strategie. Dazu zählten konsequentes Energiesparen, der dezentrale Bau von Neuanlagen, die Weitergabe von Informationen an die Bürger und die Einflussnahme auf die Politik von der Kommune bis nach Brüssel. Wichtig sei auch der Wechsel zu Ökostromanbietern und zu Stadtwerken. Deren Kriterien seien die Unabhängigkeit von Atom und Kohle, Transparenz und der Bau von modernen Netzanlagen. Das Resümee der Referentin: „100 Prozent Erneuerbare Energien sind möglich, wenn wir das wollen, uns dafür einsetzen und auch den Mut für einen Anbieterwechsel hin zum Ökostrom haben.“ Nachdem Frau Meier-Staude noch einige Fragen en detail beantwortet hatte, bedankte sich Hubert Wittmann bei der projekt21plus“- Geschäftsführerin mit einem kleinen Präsent.
energiepolitische Information in Aufhausen
Foto von links nach rechts:Rainer Hummel, SPD-Kreisvorsitzender, Hubert Wittmann, Aufhausen, Herbert Weger, Sünching, Frau Hiltrud Meier-Staude, Armin Buchner, Schierling. Weitere Informationen zum Thema des Abends finden sich auf der Homepage www.projekt21plus.de.